Frau Holle und der Mohn

Um die Dank der Brüder Grimm weltweit bekannt gewordene Märchenfigur Frau Holle ranken sich viele Sagen, die rund um den Hohen Meißner spielen. Sie hängen zusammen mit Mythen und Bräuchen, die sich teilweise bis in die Antike und zu den germanischen Stämmen zurückverfolgen lassen. Oftmals haben sich diese Bräuche trotz der Christianisierung über die Jahrhunderte hinweg erhalten. So ist Frau Holle nach dem Volksmund für das Wetter verantwortlich, nicht nur für den Schnee, den ihre je nach Wintersaison mehr oder weniger fleißige Magd aus den Kissen schüttelt. Im Frühjahr schreitet Frau Holle über Felder und Wiesen und lässt die Natur erwachen. Sie sorgt für fruchtbare Äcker und Wiesen.

Im Jahreslauf kommt den Rauhnächten eine besondere Bedeutung zu. Die Zeit zwischen Heilig Abend und dem Dreikönigstag, wenn Frau Holle gemeinsam mit dem wilden Heer und viel Getöse umherzieht. Dabei soll sie die Seelen der Verstorbenen einsammeln und unter den Frau-Holle-Teich bringen. Von dort werden sie wiedergeboren. Nicht umsonst hält sich im Frau-Holle-Land hartnäckig die Geschichte, die kleinen Kinder kämen aus dem Frau-Holle-Teich.

Die Menschen der Region stellten dem unheimlichen Zug der wilden Jagd in den zwölf Rauhnächten Opfergaben bereit, um sie milde zu stimmen und ihren Segen für die eigenen Felder und die Familie zu erbitten. Unter den Opfergaben waren vor allem Speisen, die symbolisch für Fruchtbarkeit stehen, so auch die Lieblingsspeise der Frau Holle, der Mohn.

Der Überlieferung nach soll die Muttergöttin Demeter den Mohn entdeckt haben. Vom griechischem Dichter Theokrit (3. Jh. v. Chr.) stammt die Kunde, dass der Mohn aus den Tränen der Liebesgöttin Aphrodite entsprungen sei. Seit alters her gilt diese Pflanze als Symbol der Fruchtbarkeit.

So ist es also kein Wunder, dass Frau Holle - dem Mythos nach - den Mohn besonders gern haben soll. Sicherlich freut es sie auch sehr, dass die pinkfarbenen Mohnfelder nun direkt "vor ihrer Haustür" blühen.


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